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- Dorfchronik
Die Ortsgeschichte von Kell bis 1984 - Teil 1
(Beitrag von Egon und Miriam Kulmus)
Über die Geschichte von
Kell wurde bereits an anderer Stelle, insbesondere in Festbüchern,
viel geschrieben. Besonderes Lob kommt hier dem Verkehrs und
Verschönerungsverein Kell zu, der sich in seiner Jahresschrift
immer einem dorfgeschichtlichen Thema widmet. Das Nachfolgende
wurde aus Büchern, Schriften und Aufsätzen entnommen.
Aber auch mündliche Überlieferungen fanden ihre
Berücksichtigung.
Die Gemarkung Kell erstreckt sich vom Brohltal
über die Rheinhöhen, einschließlich Pöntertal,
bis fast zum Laacher See. Der Mittelpunkt des Ortes liegt
rd. 262 m über dem Meeresspiegel. Die Gemeinde Kell wurde
1970 durch fast einstimmiges Votum der Bevölkerung aufgelöst
und ein Stadtteil von Andernach, zu dem es in urvordenklichen
Zeiten schon starke Verbindungen hatte, wie es die Geschichte
lehrt.
Über den Standort der ehemaligen Gemeinde
Kell ist wenig Sicheres bekannt. Nach alten mündlichen
Überlieferungen soll der Ort in dem Flurbereich Pleitsdorf
gelegen haben. Durch eine ansteckende Krankheit (u. U. Pest),
die mehrere Jahre gedauert haben soll, sei fast das ganze
Dorf ausgestorben. Die wenigen gesunden Menschen sollen sich
von den Kranken abgesondert und weiter nach Norden hin ihre
Wohnhäuser gebaut haben. Bewohner aus dem 8 km entfernten
Wehr seien nach Kell gekommen und hätten Felder bebaut.
Nach anderer Ansicht soll der Wassermangel in Pleitsdorf der
Grund gewesen sein, den Ort nicht mehr an der alten Stelle
entstehen zu lassen. Ein anderer Autor spricht von der Zerstörung
Pleitsdorfs durch die Schweden im Dreißigjährigen
Krieg im Jahr 1632. Das so genannte "Pleitsdorfer Kreuz"
von 1649 steht hiermit im Zusammenhang.
Aus welcher Zeit stammen nun die ersten
menschlichen Spuren? Bei Erdarbeiten im Jahre 1980 fand Bruno
Nebgen im Flurstück "Am Rheinecker Garten"
einige Scherben. Die Auswertung zeigte, dass sie aus der La
Téne Zeit, 4./3. Jahrhundert v. Chr., stammen. Es deutet
alles daraufhin, dass zu dieser Zeit bereits eine Siedlung
an dem angegebenen Ort bestand.
Weitere geschichtliche Spuren führen in
die Römerzeit. Schon zu dieser Zeit war der Heilbrunnen
im Pöntertal eine benutzte Heilquelle. Hier wurden von
den Römern "Apollo" und die Nymphe "Volpinae"
verehrt. An der Ecke der alten Brunneneinfassung wurde der
Altar eines unbekannten Gottes gefunden, der von Angehörigen
der Rheinflotte geweiht war. Zahlreiche in dem Brunnen gefundene
Münzen beweisen die lange und starke Benutzung der Quelle
vom 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. Aus der fränkischen
Zeit stammen verschiedene Steinplattengräber. Die Gräber
wurden 1896 geöffnet. Die Ausstattung waren kleine Töpfchen,
Perlen verschiedener Farben und Formen, Schwerter aus Stahl
und Eisen.
Der Ort Kell erscheint 1103 erstmalig in der
gefälschten Urkunde eines Tauschvertrages zwischen dem
Propst von St. Stephan in Mainz und dem Propst von Ravengiersburg.
Politisch gesehen gehörte Kell mit den umliegenden Siedlungen,
den Geishügel ausgenommen, zum kurkölnischen Amt
Andernach, seit 1802 zum Kanton Andernach, seit 1815 zum Kreis
Mayen. Der Geishügel lag noch im Breisiger Ländchen
und unterstand der Fürstäbtissin in Essen. Wie schon
oben gesagt, verdankt Kell höchstwahrscheinlich dem einheimischen
Adel die frühe Eigenselbstständigkeit. Das Vorhandensein
einer Burg, westlich der Kirche gelegen, ist gesichert durch
den Flurnamen "im Burgfried" für dieses Terrain.
Alte Einwohner berichten von früher noch sichtbaren Mauerresten,
die später als Steinbrüche benutzt wurden.
Mitglieder dieses Geschlechtes von Kell sind
bekannt: 1212 Heinrich von Kell, Schöffe in Andernach;
1321 Emmerich von Kell, Schöffe und 1488 Ruprecht von
Kell. Damals war das Patronatsrecht längst an die Familie
von Geisbüsch übergegangen. Denn schon 1371 wurde
Johann von Geisbüsch von Köln mit dem Patronatsrecht
belehnt und am 10. 11. 1432 bekannte Rolmann vame Geysbusch
( nach 1463), dass er die "Wyntgarde zo Kelle vort
dem Zienden ind die Kirchgift zo Kell zo Leen hain ind hailden
van myme genedigen Heren van Coelne md syme Gesticht aen Argelist".
1485 übertrug sein Sohn Rolmann v. G. ein Drittel dieses
Lehens auf Diedrich Wolf von Mollendorf, dessen Grabplatte
am Kirchturm noch erhalten ist. Inzwischen waren die Inhaber
des Hauses Kray Lehnsherren von Kell geworden. Anton von Elz
kaufte von Anton Breidbach zu Kell, der noch 1577 den Pfarrer
Simon Hardt präsentiert hatte, das Patronat und ein Drittel
des Zehnten zu Kell und wurde 1590 von Köln mit dem Hause
Kray belehnt. Streitigkeiten folgten, in deren Folge die Inhaber
oft wechselten: 1664 war Inhaber Dr. jur. Johann Klauth aus
Bonn, dessen Sohn Franz Kaspar 1697 vom Pfarrer Ant. Nachtsheim
als Kollator genannt wurde. 1721 gelangte der Hof Kray mit
dem Patronat und Teilzehnten durch Kauf an Joh. Friedrich
von Cler in Köln, dessen Söhne Friedrich Wilhelm
und Johann Ignaz von Cler 1759 den Pfarrer Anton Bleesen sich
präsentierten. Letztere Nominierung erfolgt 1786 durch
Friedr. Karl v. Cler. Zehntherren waren zu je einem Drittel
bis zu den Zeiten der Französischen Revolution und Besitzergreifung
der Rheinlande (1794) die genannten Inhaber des Hauses Kray,
die Karmeliter in Tönisstein und der Ortspfarrer.
Die Baupflicht der Kirche oblag für den
Chor der Kirchenfabrik, für das Schiff den Dezimatoren
und für den Turm der Zivilgemeinde.
Der Ort Kell besaß wie die meisten Landorte
kein Wappen. Der Name "Chella" übrigens taucht
auch in der Bestätigungsurkunde der Laacher Güter
von Papst Eugen im Jahre 1147 auf. Darin wird ein Hof erwähnt,
der von "Drudewin" der Abtei Laach geschenkt worden
war. "Drudewin" ist wahrscheinlich der Name des
Schenkers. Es handelt sich vermutlich um den in der Gemarkung
Kell gelegenen Hof im heutigen "Gertrudenweiden"
im Jakobsthal. Abt Theoderich, der von 1256 bis 1295 dem Kloster
Laach vorstand, tätigte bald den ersten Ankauf in Kell
selbst. Laut Urkunde aus dem Jahre 1273 erwarb er dort selbst
von Ritter Heinrich von Dytze einen Hof für einen Kaufpreis
von 40 Mark. Er soll ebenfalls für die Instandsetzung
der sehr verfallenen Gebäude sofort nach dem Erwerb weitere
50 Mark aufgewendet haben. Eine weit größere Erwerbung
für das Kloster war der Ankauf eines Hofes von dem Grafen
Heinrich von Virneburg im Jahre 1275 für einen Kaufpreis
von 200 Mark.
Im Jahre 1340 erhielt Gerhard von Kryge
Wepeling einen Wingert (Weinberg) und ein Baumfeld in Kell
von Abt Wigand 1. zu Lehen und wurde somit Vasall des Klosters.
Ihm folgten Dietrich von Kreyge und Johann von Luipsdorf,
welcher 1440 mit Einwilligung des Abtes Johann 111. auf dieses
Lehen zugunsten des Johann von Kettge (Kettig) verzichtete.
Der Prior Sibrecht erwarb im Jahre 1369 von dem Ritter Jakob
von Kryer ein Haus mit Kelter und die Hofstatt zu Kell beim
Born (Wohl im Pöntertal.) Der Kauf wurde getätigt
"am 3. Tage vor dem Tage Unserer Lieben Frauen, da diese
geboren ward", also drei Tage vor dem 8. September. Heinrich
Schade gab dem Abt Wigand 11. und dem Konvent zu Laach einen
Wingert zu Kell zu Lehen und empfing dagegen 5 Mark Jahrrente
als Mannslehen.
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